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Von der Leichtigkeit des Textils

Wer kennt sie nicht, die ikonischen Installationen von Christo und Jeanne-Claude. Was aber nur wenige wissen; eine norddeutsche Spezialfirma und ihr Zünd Cutter spielen eine zentrale Rolle in vielen Projekten des Künstlerehepaars.

Läuft alles planmässig, wird das Publikum einmal mehr von der Ästhetik sorgfältig gefertigter, schwebender Stoffbahnen begeistert sein. Zwischen dem 18. September und dem 3. Oktober 2021 wird in Paris «L'Arc de Triomphe, Wrapped» enthüllt werden. Das Projekt musste wegen der Pandemie um ein Jahr verschoben werden, was Robert Meyknecht und seinem Team etwas mehr Zeit für die sorgfältige Vorbereitung des Projekts von Christo und Jeanne-Claude am Place de l'Etoile - Charles de Gaulle gab.

Mit Verzögerung, aber der Traum wird wahr

«Nach Christos Tod am 31. Mai 2020 waren wir unsicher, ob das Projekt noch realisiert werden kann», erinnert sich Meyknecht. «Aber weil bereits so viele Zeichnungen und Details fertiggestellt und einsatzbereit waren, entschied der Nachlassverwalter von Christo, weiterzumachen». Robert Meyknecht ist Inhaber von geo-Die Luftwerker. Das Lübecker Unternehmen wurde mit dem Zuschnitt und der Montage der überdimensionalen Stoffbahnen beauftragt, die für die Verkleidung des Arc de Triomphe benötigt werden. Für den Zuschnitt verwendet Meyknecht mit einem Zünd Cutter G3 XL-3200 modernste digitale Schneidtechnologie. «Wir exportieren hochkomplexe Muster aus einer Spezialsoftware, die in der Lage ist, gebeugte 3D-Strukturen zu erstellen», erklärt Meyknecht. «Der Zünd Cutter schneidet auch sehr lange Textilbahnen präzis. Seit wir den Zünd Cutter im Einsatz haben, hat er uns eine Menge Zeit und Ärger erspart. Um eine maximale Wirkung zu erzielen, müssen die Projekte von Christo und Jeanne-Claude sehr schnell installiert werden, fast als würden sie aus dem Nichts auftauchen. Da ist kein Spielraum für Fehler. Mit dem Zünd Cutter können wir die erforderliche Präzision im Zuschnitt aber jederzeit gewährleisten.» 

Spezielle Stoffe

«Für die Projekte von Christo und Jeanne-Claude werden sehr spezielle Stoffe ausgewählt, weshalb wir ein angetriebenes Rotationsmesser, ein Driven Rotary Tool – DRT, zum Schneiden des Textils verwenden,» erklärt Meyknecht: «Für dieses Projekt wird hellblaues Polypropylen eingesetzt, das mit einer hauchdünnen Aluminiumschicht beschichtet ist. Sie wird dem verpackten Arc de Triomphe ein luftiges, einzigartiges Aussehen verleihen, besonders wenn es von der Sonne angestrahlt wird.»

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Abschnitte des Stoffes für das Projekt "L'Arc de Triomphe, Wrapped" Christo 2021 in einer Halle, die geo - die Luftwerker eigens dafür angemietet hat.

Ballonbau und das Holstentor

«Auf der Suche nach einem digitalen Schneidsystem haben wir verschiedene Lösungen angeschaut», erinnert sich Meyknecht. «Doch als ich den Zünd-Hauptsitz in der Schweiz besuchte, war sofort klar, dass wir uns für einen Zünd Cutter entscheiden würden. Sie bringen so viel Erfahrung im Zuschnitt von Textilien und anderen Materialien mit, dass ich wusste, dass sie genau das liefern können, was wir brauchen.» Neben dem Driven Rotary Tool - DRT investierte er auch in ein Universalschneidwerkzeug für PVC und beschichtete Materialien. «Wir sind bekannt für unsere Expertise bei der Endbearbeitung und dem Nähen von komplizierten Textilprojekten», fügt er hinzu.

«Daher arbeiten wir an vielen hochkarätigen kommerziellen Grossformatdruckprojekten, bei denen wir in der Regel das Engineering und die Veredelungsarbeiten übernehmen. So halfen wir etwa bei der Modellierung einer Fassadennachbildung aus Mesh für das Lübecker Wahrzeichen Holstentor, als das um 1500 erbaute Gebäude 2005 restauriert wurde», erinnert er sich.

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Stoffzuschnitt für das Projekt "Christo Paris 2021" bei geo - die Luftwerker mit dem firmeneigenen Zünd G3 Cutter 3XL-3200.

Ultraschallschweissgerät und Bandschneider

«Zu unseren Einrichtungen gehören auch ein grosses Ultraschall-Schweissgerät und ein Ultraschall-Gurtschneider und natürlich Industrienähmaschinen. Noch wichtiger ist, dass unsere hochqualifizierten Mitarbeiter selbst hochkomplexe Muster mit bemerkenswerter Genauigkeit bewältigen können», fügt er hinzu. «Als ich mich 1994 entschloss, meinem Traum zu folgen und ein Luftfahrtunternehmen zu gründen, bestand unser Hauptkundenstamm aus kommerziellen Luftfrachtspediteuren und Ballonfahrern. In der Luftfahrtindustrie muss man besonders sorgfältig arbeiten und Fehler um jeden Preis vermieden, da sie sehr wahrscheinlich zum Verlust von Menschenleben führen würden.»
Das Unternehmen, das rund 20 Mitarbeitende beschäftigt, verfügt über eine grosse Luftfahrtabteilung, in der neue Heissluftballone konstruiert und bestehende repariert und getestet werden. «Wir nutzen unseren Zünd Cutter auch für solche Projekte», erklärt Meyknecht. «Vieles von dem, was wir machen, ist aber Handarbeit und Einzelanfertigungen, so dass unser Schneidtisch eigentlich keine weitere Automatisierung benötigt.»

Wie ein Zünd Cutter zu einem Werkzeug für die Kunst wurde

Dass ein internationaler Künstler wie Christo auf eine kleine Firma in Norddeutschland aufmerksam wird, erscheint selbst bei deren Expertise eher ungewöhnlich. Es war denn auch ein Zufall, dass die beiden sich fanden: Der Gasometer Oberhausen, ein Ausstellungsraum mit einer Deckenhöhe von über 100 m, ist bekannt für spektakuläre Ausstellungen. geo - die Luftwerker hatte bereits mehrfach mit ihnen zusammengearbeitet, nachdem sie für die Ausstellung «Sternstunden – Wunder des Sonnensystems» ein luftgefülltes Modell des Mondes mit 25 m Durchmesser zur Verfügung gestellt hatten. 
Als 2013 das Projekt «Big Air Package» von Christo, eine 94 m hohe Indoor-Skulptur, realisiert werden sollte, wandte sich der Kurator und langjährige Christo-Fotograf Wolfgang Volz an Robert Meyknecht. Dieser trug nicht nur dazu bei, dass das Projekt zu einem Erfolg mit über 400'000 Besuchern wurde, auch sollten Meyknecht und Volz ihre erfolgreiche Zusammenarbeit fortsetzen. «Von da an wurden wir Teil des Universums von Christo und Jeanne-Claude und unterstützten sie bei ihren Projekten», erinnert sich Meyknecht. «Die Arbeit an solchen spektakulären Kunstprojekten mit einem globalen, hochkarätigen Publikum ist etwas ganz anderes als ein Luftfahrt- oder kommerzielles Grossformatprojekt. Die Hauptanforderungen sind jedoch ähnlich, denn absolute Präzision und viel technisches Know-how sind ein Muss.»

Schwimmende Stege

Für die Installation «Floating Piers» 2016 in Norditalien hat geo - die Luftwerker massgeblich dazu beigetragen, dass eine 1,2 Millionen Menschen buchstäblich über das Wasser gehen konnten. Das Projekt von Christo und Jeanne-Claude, ein schwimmender Steg zwischen Sulzano und Monto Isola am Iseo-See in der Lombardei, lief nur 16 Tage lang. «Wir haben auch bei der 3D-Vermessung und der Installation mitgeholfen», erklärt Meyknecht. «Da der letzte Schliff der Installation nur acht Stunden dauern durfte, musste alles auf höchstem Niveau vorgefertigt werden. Allein die Logistik war eine riesige Herausforderung, denn natürlich sahen alle Schwerlastgewebeabschnitte genau gleich aus, mussten aber zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein, damit der eng getaktete Zeitplan eingehalten werden konnte.» Unnötig zu erwähnen, dass Meyknecht und sein Team trotz eines unerwarteten Gewitters am späten Nachmittag erfolgreich waren. «Wir hatten sicherheitshalber alles vorbereitet, um vor Ort nachzuschneiden und nachzunähen. Den Zünd Cutter hatten wir allerdings nicht mit dabei», schmunzelt er. «Den wollen wir noch sehr lange in unserem Haus behalten.» 

(Text: Sonja Angerer, Bilder: Wolfgang Volz, Robert Meyknecht)