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Ein Musterbeispiel digitaler Verpackungsproduktion

Die Zerhusen Kartonagen GmbH hat sich in 30 Jahren vom kleinen Handelsbetrieb für Verpackungen zu einem der grössten Hersteller und Verarbeiter von Wellpappe in Deutschland entwickelt. Das Familienunternehmen hat das Potenzial der Digitalisierung früh erkannt und weiss, wie und wo sie diese gewinnbringend nutzen muss. Jüngster Meilenstein war die Eröffnung eines neuen Entwicklungszentrums, ausgestattet mit modernster Schneidtechnologie von Zünd.

Der Verpackungsmarkt verändert sich. Daran trägt die Digitalisierung einen grossen Anteil. Ein gutes Beispiel, wie Verpackungshersteller neue Marktanforderungen adaptieren, ist die Zerhusen Kartonagen. Sie hat früh damit begonnen, Prozesse und Produktionsmittel zu digitalisieren und damit schlanker und effizienter zu gestalten. Die Kundenanforderungen haben sich in den letzten Jahren verändert, erklärt Hermann Kage im Gespräch. Kage leitet das Entwicklungsteam und weiss, was die Kunden wollen: «Früher hat der Kunde für sein Produkt eine Verpackung verlangt, die vor allem kostengünstig und einfach in der Handhabung sein musste. In den meisten Fällen war das dann eine einfache Faltschachtel. Heute bringen uns die Kunden ihr Produkt vorbei und bestellen dafür eine massgeschneiderte Verpackung, inklusive Innenleben mit Schutzfunktion. Alles aus Wellpappe, versteht sich.»

Die Kunden legen immer grösseren Wert auf eine ansprechende Präsentation der Prototypen. Hinzu kommt, dass mit einem wachsenden Kundenstamm auch die Anfragen nach spezielleren Verpackungen steigen. Die Bemusterung ist also ein wichtiger Massstab in der Produktentwicklung. Erst die fertige Verpackung gibt abschliessend Auskunft über Optik und Haptik.

Mit den veränderten Kundenanforderungen hat bei Zerhusen die Kundenbetreuung einen noch höheren Stellenwert erhalten, die Beratungs- und Entwicklungskompetenz ist weiter ausgebaut worden. Heute sind schlanke, clevere Verpackungskonzepte gefragt. Um diesen Trends zu begegnen, hat Zerhusen Kartonagen Anfang 2020 ein neues Entwicklungszentrum in Betrieb genommen, die neue Wirkungsstätte von Kage und seinem vierköpfigen Team. Auf einer Fläche von 1250 m² ist eine topmoderne Halle für Musterfertigung, Büros und Räumlichkeiten für Kundenpräsentationen entstanden. «Unsere Aufgabe besteht darin, innovative und kreative Konzepte für neue Verpackungen zu entwickeln und diese Prototypen den Kunden zu präsentieren.»

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Vom Kleinbetrieb zum Keyplayer

Die Geschichte des Familienunternehmens beginnt 1987 als Drei-Mann-Handelsbetrieb. Heute beschäftigt das Unternehmen 550 Mitarbeitende, erzielt einen Jahresumsatz von 100 Millionen Euro und zählt zu den grössten Wellpappeverarbeitern in Deutschland. In seinen Anfängen handelte das Unternehmen mit fertigen Verpackungen und übernahm für seine Kundschaft die Lagerhaltung und Logistik, als einer der ersten Anbieter überhaupt. Schritt für Schritt wurde in den Folgejahren das Angebot weiter ausgebaut. Anfang der 90er-Jahre begann man, selbst Wellpappe zu verarbeiten und Verpackungen herzustellen. Gleichzeitig wurde auch die Bemusterung für die Kundschaft aufgebaut. Seit 2016 stellt Zerhusen auch die Wellpappe selbst her, über 200 Millionen m² im Jahr.

Die Lagerhaltung und Logistik von Verpackungen ist gefragter denn je, trotz, oder gerade wegen dem Trend zur Produktion on demand und Just-in-time-Lieferung. «Wir beliefern zahlreiche Online-Anbieter mit Verpackungen. Mit dem zunehmenden Online-Handel hat ihr Bedarf an Verpackungen spürbar zugenommen. Flexibel, schnell und einfach zu liefern, heisst unser Erfolgsrezept.» Wer am Vortag bis 16 Uhr bestellt, erhält am Folgetag pünktlich seine Verpackungen, zwei vollautomatische Hochregallager mit sechs Gängen und 50.000 Stellplätzen sowie ein eigener Fuhrpark machen es möglich. Heute beliefert Zerhusen Kunden aus der Möbel-, Automobil-, Lebensmittel- oder Kunststoffindustrie in einem Radius von 350 km.

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Musterfertigung und Produktionszelle in einem

Zerhusen investiert stark in neue Technologien und in die Modernisierung ihres Maschinenparks. Das eröffnete auch neue Kundensegmente. Waren es zuvor noch ausschliesslich regionale Kleinunternehmen, bedient Zerhusen heute vornehmlich industrielle Grosskunden. «Hier im Oldenburger Münsterland sind viele Kleinstunternehmen gross geworden, und wir mit ihnen». Zerhusen ist im niedersächsischen Damme zuhause, 30 Autominuten nördlich von Osnabrück, in einer Region, die von der Industrialisierung profitierte. Ein Umfeld also, das sich im Zuge der Digitalisierung neu ausrichtet, neu erfindet. So wie die Zerhusen Kartonagen. In ihrem neuen Entwicklungszentrum betreibt sie zwei hochmoderne digitale Zuschnittsysteme des Schweizer Anbieters Zünd. Ein Zünd Cutter G3 L-3200, der bereits seit 2012 im Einsatz ist, wurde Anfang 2020 mit einer automatisierten Lösung für die Bogenzuführung aufgerüstet. Zum selben Zeitpunkt ist eigens für die Erstbemusterung ein Zünd Cutter G3 3XL-3200 in Betrieb genommen worden.

Die Tatsache, dass der eine Zünd Cutter nachträglich mit einem Board Handling System BHS aufgerüstet wurde, zeigt, dass hier nicht nur Prototypen hergestellt werden: «Die beiden Zünd Cutter sind mehr als Muster- oder Prototypenmaschinen. In den meisten Fällen bleibt es nicht bei den ein oder zwei Musterverpackungen, die wir für die Kundenpräsentation erstellen. Häufig werden nochmals bis zu 40 Muster hergestellt, die dann testweise palettiert werden. Kommt hinzu, dass wir Kleinauflagen heute vermehrt digital produzieren. Mit den Zünd Cuttern ist die Herstellung von Kleinauflagen auch wirtschaftlich attraktiv geworden. Gleichzeitig eröffnen die Zünd Cutter neue Möglichkeiten in der Musterproduktion. Und wir sind heute flexibler».

Eher unüblich für eine Entwicklungsabteilung ist auch das abteilungseigene Hochregallager, in dem Dutzende Pappe-Qualitäten bevorratet werden. Damit jede Musterverpackung mit exakt derselben Pappenqualität hergestellt wird, die danach in der Produktion verwendet wird.

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Die Digitalisierung geht weiter

Neben der Präzision im Zuschnitt und der sprichwörtlichen Zuverlässigkeit der Zünd Cutter war laut Kage deren modulare Bauweise ein wichtiges Entscheidungskriterium: «Die nachträgliche Aufrüstung des bestehenden Zünd Cutters mit einem automatischen Board Handling System BHS war bestechend einfach und schnell. Und wir haben mit Zünd einen Partner im Zuschnitt, der seine Technologie konstant weiterentwickelt und neue Werkzeuge auf den Markt bringt, die wir im Handumdrehen auf unseren Zünd Cutter einsetzen können, sei es ein V-Cut Tool oder das neue Press Cutting Tool PCT. Bei Verpackungen, die später auf grossen Rotations- und Flachbettstanzen produziert werden, simulieren wir diese Verfahren auf dem Cutter. Und mit den Werkzeugen von Zünd, mit dem Press Cutting Tool PCT etwa, oder den Rillrädern, gelingt uns das sehr gut, sehr produktionsnah. Das macht die Zünd Cutter einzigartig».

Zeit, um sich auf Lorbeeren auszuruhen, hat man bei Zerhusen Kartonagen keine. Das Fazit ein halbes Jahr nach der Modernisierung des Zuschnitts fällt aber durchwegs positiv aus: «Erklärtes Ziel der Investitionen in digitale Schneidtechnologie von Zünd war es, die Kundenzufriedenheit weiter zu erhöhen, Neukunden zu gewinnen und die Kunden noch flexibler und schneller bedienen zu können. Wir haben die Zielvorgaben erfüllt, aber die Digitalisierung geht weiter. Die Zünd Cutter bieten da noch viel Potenzial für weitere Optimierungen».

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